- Mehr Gäste heißt nicht mehr Gewinn: Bei fast jedem zweiten österreichischen Betrieb ist der Gewinn langsamer gewachsen als der Umsatz.
- Das Geld geht an fünf Stellen verloren: Einkauf, Energie, Personaleinsatz, Provision und Zusatzumsatz.
- Schau jeden Monat darauf, was pro Zimmer übrig bleibt – nicht auf den Umsatz.
Die Zahlen des Jahres
Österreich: 77 % der Betriebe haben in den letzten drei Jahren mehr Umsatz gemacht. Bei fast jedem zweiten ist der Gewinn aber langsamer gewachsen. Die Kostenlage bekommt im Tourismusbarometer von Deloitte und ÖHV die Note 4,3 von 5 – der schlechteste Wert der ganzen Umfrage. Neun von zehn Betrieben rechnen mit weiter steigenden Kosten.
Deutschland: 497,4 Millionen Übernachtungen, so viele wie nie. Die Auslastung liegt bei 68,1 %. Gleichzeitig ist der Zimmerpreis im Schnitt um 2,8 % auf 109 € gesunken, und die Zahl der Insolvenzen bei Beherbergungsbetrieben ist um 40 % gestiegen.
Volle Betten sind kein Geschäftsmodell mehr.
Entscheidend ist, was pro Zimmer übrig bleibt.
Fünf Stellen, an denen dein Hotel Geld verliert
1. Einkauf und Wareneinsatz
Lieferanten erhöhen selten auf einen Schlag. Sie erhöhen ein bisschen, hier ein Artikel, dort eine Lieferpauschale. Wer den Wareneinsatz nur einmal im Jahr mit dem Steuerberater anschaut, merkt es zu spät.
Tipp: Wareneinsatz jeden Monat in Prozent vom Küchenumsatz anschauen. Und jedes Quartal die zehn teuersten Artikel neu verhandeln oder vergleichen.
2. Energie
Heizöl war laut Tourismusbarometer im Jahresvergleich um 38 % teurer. Die Jahresrechnung sagt dir aber nur, dass es teuer war – nicht, wo.
Tipp: Verbrauch pro belegtem Zimmer statt Jahresrechnung. Dann siehst du, ob leere Etagen geheizt werden, der Wellnessbereich bei halber Auslastung voll läuft oder die Küche zu früh hochfährt.
3. Personaleinsatz, der nicht zur Auslastung passt
Hier geht es nicht um zu viele Mitarbeiter, sondern um die Planung. Viele Dienstpläne entstehen nach Gewohnheit, nicht nach Belegung. Ein Rechenbeispiel: An ruhigen Dienstagen sind im Housekeeping 28 Stunden zu viel eingeteilt. Das sind rund 650 € pro Tag.
Tipp: Den Dienstplan zwei Wochen im Voraus mit der Belegung abgleichen – Abteilung für Abteilung.
4. Provision an Buchungsportale
In Deutschland läuft fast jede dritte Übernachtung über ein Portal. Die Provision liegt meist zwischen 12 und 18 %. Besonders teuer wird es, wenn deine Stammgäste über Booking buchen: Dann zahlst du Provision für Gäste, die du längst kennst. Wie du diese Gäste zurückholst →
5. Zusatzumsatz, der wegbricht
63 % der österreichischen Betriebe melden, dass Gäste im Haus weniger ausgeben – vor allem im Restaurant, im Wellnessbereich und bei Upgrades. Der Gast kommt, aber er lässt weniger da. Sechs Hebel für mehr Umsatz pro Gast →
Die eine Zahl, die du jeden Monat kennen solltest
Umsatz ist eine schöne Zahl. Aber sie sagt nicht, ob du Geld verdienst. Schau stattdessen auf das, was pro Zimmer und Nacht übrig bleibt, nachdem alle Betriebskosten bezahlt sind – Personal, Waren, Energie, Provision, Verwaltung. In der Fachsprache heißt das GOPPAR (Betriebsergebnis pro verfügbarem Zimmer).
Die Regel ist einfach: Steigt der Umsatz und diese Zahl sinkt, verlierst du irgendwo Geld. Dann lohnt sich die Suche an den fünf Stellen oben.
Warum das so schwer zu sehen ist
Die Zahlen liegen in vielen Programmen: Buchungen im PMS, Restaurant in der Kasse, Stunden im Dienstplan, Provision im Channel Manager, Einkauf in der Warenwirtschaft. Jedes Programm zeigt seinen Ausschnitt. Das Ganze sieht keiner – und bis der Monatsabschluss kommt, ist der Monat vorbei.
- Deloitte & ÖHV: Tourismusbarometer 2026 (Juni 2026), Bericht auf Tageskarte
- gast.at: Österreichs Tourismus im Renditeloch
- IHA: Branchenreport Hotelmarkt Deutschland 2026, Bericht auf Tageskarte
- Hotrec-Distributionsstudie 2026 (September 2026), Bericht in der AHGZ
- Lodgify: Booking.com Kosten und Provision 2026

