- In Österreich hat mehr als jeder Zweite in Hotellerie und Gastronomie keinen österreichischen Pass. In Deutschland sind es 44,5 %.
- Wer einen Fragebogen auf Deutsch nur mit Mühe liest, antwortet nicht. Und kündigt, ohne vorher etwas zu sagen.
- Schon ein Abgang in der Spüle kostet schnell mehrere Tausend Euro. Frag dein Team in seiner Sprache, anonym und regelmäßig.
Die Zahlen
Österreich: Nur noch 41,3 % der Beschäftigten in Beherbergung und Gastronomie haben die österreichische Staatsbürgerschaft, ein Jahr vorher waren es noch 43,0 %. Mehr als jeder Zweite kommt also aus einem anderen Land. 62 % der befragten Betriebe haben laut Tourismusbarometer offene Stellen. Und bis eine beim AMS gemeldete Stelle im Tourismus wieder besetzt ist, vergehen im Schnitt 41 Tage.
Deutschland: Im Gastgewerbe haben 44,5 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Also fast jeder Zweite.
Wer nicht gefragt wird, sagt nichts.
Bis er kündigt.
Der Mitarbeiter, den keiner fragt
In fast jedem Hotel gibt es ihn: den Abwäscher, der seit drei Jahren dabei ist. Pünktlich, verlässlich, nie krank. Gefragt, wie es ihm geht, hat ihn noch keiner – jedenfalls nicht in einer Sprache, in der er hätte antworten können.
Mitarbeitergespräche gibt es meist für die Rezeption und die Abteilungsleiter. Befragungen laufen auf Deutsch. Wer die Fragen nur mit Mühe versteht, kreuzt irgendetwas an – oder gar nichts. So erfährst du vom kaputten Geschirrspüler, vom Dienstplan, der jede Woche kurzfristig umgestellt wird, oder vom Ton in der Küche oft erst, wenn jemand geht.
Was ein stiller Abgang kostet
Eine Beispielrechnung für eine Stelle in der Spüle. Alle Beträge sind Beispielwerte, rechne sie mit deinen eigenen Zahlen nach:
- Suche: Stellenanzeige und Gespräche – 400 €.
- 41 Tage Lücke: Die Kollegen fangen die Arbeit mit Überstunden auf. Sechs Wochen lang je 15 Stunden zu 25 € inklusive Zuschlag und Lohnnebenkosten – 2.250 €.
- Einarbeitung: Zwei Wochen läuft ein Kollege mit (20 Stunden zu 20 €), und die neue Kraft schafft in der Zeit erst die Hälfte (40 Stunden zu 16 €) – 1.040 €.
Zusammen rund 3.700 €. Für eine Stelle, die viele für leicht ersetzbar halten. In Küche, Service oder an der Rezeption dauern Suche und Einarbeitung länger – dann kommt deutlich mehr zusammen. Nicht eingerechnet: das Wissen, das mit ihm geht. Und die Kollegen, die nach sechs Wochen Überstunden selbst ans Gehen denken.
Die Kündigung ist nicht das Problem.
Sie ist nur der Moment, in dem du davon erfährst.
Fünf Regeln, damit dein ganzes Team antwortet
1. Frag in seiner Sprache
Nicht der Kollege übersetzt, nicht die Übersetzungs-App im Gespräch. Jeder soll die Fragen allein lesen und in seiner eigenen Sprache antworten können.
Tipp: Schreib die Fragen kurz und einfach. Je einfacher der Satz, desto besser die Übersetzung.
2. Anonym – sonst bleibt es höflich
Wer fürchtet, dass seine Antwort beim Küchenchef landet, schreibt „alles gut“. Werte deshalb erst aus, wenn aus einer Gruppe mindestens fünf Antworten da sind.
3. Kurz und aufs Handy
Fünf kurze Fragen, höchstens zwei Minuten. Ein QR-Code im Personalraum oder neben der Stempeluhr reicht. Einen Termin dafür braucht keiner.
4. Eine Frage immer gleich
„Würdest du einem Freund empfehlen, bei uns zu arbeiten?“ Auf einer Skala von 1 bis 5. Stell sie alle vier Wochen und schau sie dir Abteilung für Abteilung an.
Tipp: Sinkt der Wert in der Spüle zweimal hintereinander, geh hin und frag nach. Dann weißt du es, bevor die erste Kündigung kommt.
5. Zeig, dass die Antwort ankommt
Ändere innerhalb von zwei Wochen eine Sache, die genannt wurde – und sag dazu, dass sie aus der Befragung kommt. Sonst antwortet beim nächsten Mal keiner mehr.
Warum das so selten passiert
Nicht, weil es Hoteliers egal ist. Sondern weil es mühsam ist: Fragebögen in zehn Sprachen übersetzen, Antworten zurückübersetzen, auswerten, ohne dass jemand erkennbar wird. Das schafft im Saisonbetrieb kaum einer neben der Arbeit. Also bleibt es bei den Gesprächen mit denen, die gut Deutsch sprechen.

